Sicht. Weise.

„Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“
Dieses Zitat wird Aristoteles, dem großen griechischen Philosophen, der von 384 bis 322 vor Christus lebte, zugeschrieben.

Dieses Zitat ist für meine Wahrnehmung eine wunderbare Metapher für das, was in unserem Leben passiert: Vieles wollten wir so nicht, mit Vielem haben wir so nicht gerechnet, Vieles ist ganz unvermutet und überraschend in unser Leben eingebrochen und hat unser Leben von einer Sekunde auf die andere auf den Kopf gestellt.
Was auch immer uns passiert sein mag, Trennung, Verlust, Krankheit oder Tod, all die Erlebnisse haben eins gemeinsam: wir können sie nicht ändern.
Das einzige was wir ändern können – und das ist unglaublich viel – ist unsere Wahr nehmung des Erlebten.

Epiktet, ein weiterer griechischer Philosoph, wird folgendes Zitat zugeschrieben: „Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Vorstellungen und Meinungen von den Dingen.“

Die Erlebnisse, die in uns im Laufe unseres Lebens begegnen, sind weder gut noch schlecht. Sie sind einfach.
Die Bewertung, was gut und was schlecht ist, diese Bewertung treffen wir.
Und wir treffen dieses Urteil nicht aus einer aktuellen Analyse heraus, sondern aus einer Kette der Erfahrungen, die wir in unserem Leben machen mussten oder durften – je nach Betrachtungsweise.
Beurteilung stammt also vermutlich sehr selten tatsächlich aus der aktuellen Gegenwart, sondern hat ihre Wurzeln vielmehr in den Erlebnissen und bereits durchgeführten Bewertungen in unserer Vergangenheit.
Ein Ereignis im Heute wird also mit dem Erinnerungswissen von Gestern bewertet …

Die Wahrnehmung hat demnach weniger mit dem Wahrgenommenen zu tun als vielmehr mit dem Wahrnehmenden.

Was also können wir ändern?
Nicht das Geschehene, wohl aber unsere Wahrnehmung darüber, unsere Be- und Verurteilung darüber.
Ist es wirklich so, wie es scheint, oder könnte man das Ganze möglicherweise ja auch ganz anders sehen?

In einem geschützten Raum, der die Betrachtung eines vergangenen Ereignisses mit dem Herzenswissen von Heute unterstützt, finden Sie möglicherweise ganz andere Bewortungen und Bewertungen als bisher.
Sie sehen die Dinge in einem anderen Licht. Ein neuer Blickwinkel eröffnet möglicherweise ein neues Verständnis. Ein neues Verständnis führt Sie möglicherweise zu Akzeptanz, Los lassen und schlussendlich zur ZuFRIEDENheit.

„Wir können unsere Vergangenheit nicht ändern; aber unsere Sichtweise darauf!“
Das ist meine persönliche Essenz, die ich in mehr als einem Jahrzehnt Beratungstätigkeit erleben durfte.

Das ist das, was Beratung tun kann; das ist das,  was Systembrett tun kann.

Ich lade Sie ein, Ihre Vergangenheit neuerlich zu be(tr)achten, sie mit den Augen und dem Herzen von Heute zu sehen und sie danach nochmals zu bewerten.
Und möglicherweise erkennen Sie, dass Ihre Vergangenheit ja nicht Fessel, sondern Wurzel war …

Ich heiße Sie und Ihr Anliegen herzlich willkommen!

Herzlich, Wolfgang Polt

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Die Macht der Sprache und ihre Grenzen

Das lernt man doch in jeder (guten) Coachingausbildung in den ersten 10 Minuten:

„Bleiben Sie in der Sprache des Klienten!“ Auch ich hab das – mehr als einmal – gehört. Allerdings war mir anfangs nicht klar, WIE bedeutsam dieses scheinbar kleine Detail ist.

 

Dazu ein paar Gedanken:

„Das Verständnis einer Sprache lernt man dadurch, dass man Situationen so sehen lernt, wie sie die Sprecher dieser Sprache sehen.“

Ernst von Glasersfeld

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen am Stammtisch einer Berufs- oder Interessensgemeinschaft deren Mitglied Sie nicht sind. Nehmen wir halt mal die Jäger. Es wird Ihnen wahrscheinlich schwer fallen, den Fachtermini zu folgen (aufbrechen, Strecke, Lampe, usw…).Sei’s drum, macht ja nix.

Aber auch bei den „ganz normalen“ Ausdrücken, die Ihnen durchaus alltäglich erscheinen, dürfen Sie sich nicht der Illusion hingeben, Sie wüssten genau, was da mitgeteilt werden soll – was die genaue Absicht des Sprechers und, vor Allem, wie die wahrscheinliche Rezeption des Zuhörers wäre. In der Welt der Jäger fehlt Ihnen also zu einem Gutteil die Differenzierung der Beobachtung und daher auch die Fähigkeit der Antizipation – beides ist für die die Beratung jedoch zentral.

 

„Die Grenzen meiner Sprache, bedeuten die Grenzen meiner Welt.“

Wenn wir Wittgenstein zuhören, dann tut sich da ein ganzer Kosmos auf.

Nur ein Beispiel: Welche prinzipiellen Handlungsoptionen einer Person zugänglich sind, hängt auch davon ab, wie die Person denkt. Nun wissen wir, dass Menschen sehr oft in Bildern oder in Grundemotionen „denken“. Für die Bearbeitung von Problemen in einer Beratungssituation müssen diese Denkvorgänge dann meist versprachlicht werden – und da liegt der Hund begraben. Wenn die Worte fehlen um zu beschreiben, fehlt die Möglichkeit zu kommunizieren. Wieder ein kleiner Wittgenstein: „…denn wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“

 

Hier kommt nun das Systembrett ins Spiel: Selbst wenn Klient mir nicht BESCHREIBEN kann, BEBILDERN kann er mir immer! Erstaunlich oft läuft der Prozess also in einer ungewohnten – weil umgekehrten – Kommunikationsfolge: Nicht durch Sprache werden Bilder erzeugt, sondern durch (innere) Bilder wird Sprache erzeugt, ermöglicht.

 

Wie verhalte ich mich nun, wenn ich in bestimmten, abgegrenzten Berufsgruppen arbeite?

Nun, ich fange damit an, mir ein Vokabelheft zu kaufen. Dort schreibe ich – wie beim Erlernen einer Fremdsprache – Begriffe hinein und suche mir nach dem Treffen, der Sitzung, dem Workshop jemanden, der sie mir erklärt. Doch nicht nur technische Fachtermini und insbesondere wunderschön flutschende Abkürzungen werden da erfasst, sondern auch Ausdrücke die im Dialekt dieser Insulaner besonders häufig vorkommen, willkommen sind und gern verwendet werden.

 

Ein Beispiel gefällig?

Bittschön:

Wenn ich es zum Beispiel mit Militär zu tun habe, dann werde ich ganz oft Stellung beziehen. Ich werde Spähtrupps aussenden um zu sehen wie die Gegenseite aufgestellt ist, wo die also ihre schweren Geschütze haben. Ich werde versuchen, deren Kaliber zu identifizieren und meine Taktik und Strategie danach ausrichten. Sollten wir unter schweres Feuer geraten, werden wir  – wie EIN Mann – agieren um schwere Treffer zu vermeiden, wobei mit Kollateralschäden zu rechnen sein wird. Fallweise wird ein strategischer Rückzug nötig sein. Die dadurch gewonnene Feuerpause nützen wir dann, um einen Gegenangriff zu koordinieren.

 

The Establishing of a YES-Set

Wenn Steve de Shazer vom “Erzeugen einer Ja-Haltung“ spricht, dann um beim Klienten für Zustimmung und Prozessteilnahme zu werben. Nichts lässt Menschen schneller andocken, als wenn Berater „Stallgeruch“ hat. Einer von uns. Gut! Dazu ist die Verwendung der richtigen Sprache besonders geeignet. Wenn Sie sich’s jedoch leichter machen wollen (ja und so einer bin ich!) dann lassen Sie das Brett die Übersetzungsleistung für Sie erledigen, lehnen Sie sich zurück und genießen Sie die Fahrt….

Über die Trauer

Trauer ist die angeborene Möglichkeit, auf schmerzliche Erlebnisse, wie beispielsweise Tod, Verlust, Trennung und ähnliches, zu reagieren und durch den Ausdruck der Trauer Körper, Geist und Seele gesund zu halten.

In unserer funktionalen Spaß-Gesellschaft ist Trauer jedoch ein Tabuthema. Trauer wird kein Auftritt im Rampenlicht gestattet; sie hat hinter verschlossenen Türen statt zu finden. So bekommt sie neben dem nicht vorhandenen Raum auch nicht die erforderliche Zeit, um ausreichend durchlebt zu werden: wenn schon trauern, dann muss es wenigstens schnell gehen.

Es wird erwartet, dass Menschen so schnell als möglich wieder funktionieren; nötigenfalls gibt es ja pharmazeutische Trauer-Unterdrückungsmöglichkeiten …

Trauerprozesse sind unabdingbar, weil sie Raum öffnen, um

  • schmerzvolle Erlebnisse überhaupt erst einmal zu akzeptieren
  • das Erfahrene und Erlebte zu reflektieren
  • die positiven Essenzen aus dem Erlebten mitzunehmen
  • das Positive zu würdigen und zu bedanken
  • das nun nicht mehr Benötigte los zu lassen
  • Abschied zu nehmen
  • und um schlussendlich unseren Frieden mit dem Erlebten zu finden.

Ein geschützter Rahmen und das Systembrett ermöglichen den Start eines solchen Trauerprozesses. Am Brett wird den besagten Punkten Akzeptanz, Reflektion, Würdigung, Bedanken, Loslassen, Verabschieden Raum und Zeit geschenkt, um die ersten Schritte in Richtung Abschluss und Frieden gehen zu können.

Es geht nicht nur um den Verlust und das Verabschieden von Menschen und Beziehungen, es geht auch um das Verabschieden und Loslassen von Träumen, Lebenszielen, Visionen und ähnlichem. Wie umgehen mit der riesengroßen Enttäuschung, wenn sich der so sehr angestrebte Lebenstraum nun doch nicht verwirklichen lässt?

Ein paar Beispiele, wann Trauerarbeit mit dem Systembrett für unsere Klienten bereichernde Unterstützung bieten kann:

  • nach der Trennung vom Lebenspartner
  • wenn der Partner oder ein naher Angehöriger verstorben ist
  • beim Verlust eines Kindes
  • beim Verlust der Gesundheit durch eine schwere Krankheit
  • beim Verlust von Zielen, Träumen, Visionen
  • bei allen Themen im Kontext Tod, Verlust, Trennung, …

Trauer braucht Ausdruck. Bekommt sie diesen Ausdruck nicht, wird der Druck auf die Dauer zu hoch. Von psychosomatischen Störungen bis  hin zu chronifizierten Erkrankungen reicht die Palette der Folgeerscheinungen nicht ausgelebter bzw. unterdrückter Trauer.

Schenken wir unseren Klienten Raum und Zeit, um die so wichtige Trauer in einem geschützten Rahmen ausleben zu dürfen.

Wolfgang Polt

Die Arbeit mit Gruppen

Bei der Arbeit mit Gruppen steigt die Komplexität exponentiell an. Es gilt nicht nur die Gruppendynamik und eventuelle „Hidden Agendas“ zu beachten. Hierarchien (explizite wie implizite), offene oder verdeckte Konflikte und unterschiedliche Erwartungen/Wünsche/Aufträge der TeilnehmerInnen auf das Ergebnis haben großen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit und die Arbeitswilligkeit eines Teams. Es wird vom Begleiter des Prozesses auch gefordert sein, die Gruppe konsequent auf das Ziel ausgerichtet zu halten.

Dennoch: Störungen haben Vorrang. Sollten sich also bei der Arbeit Nebenthemen ergeben, ist es für das Gelingen wichtig, diese ebenfalls zu beleuchten und nicht schon wieder, so wie es häufig geschieht, unter den Teppich zu schweigen.
Alle wissen: Da ist ein Elefant im Raum. Keiner spricht darüber.

Dazu gibt es bewährte Modellprozesse, die schnell und wirksam eingesetzt werden können. Das Systembrett ist dabei ein verlässlicher Begleiter  – oder vielleicht eine verlässliche Begleiterin?

Immer bewährt sich die Grundhaltung, jede Art von Frage, die sehr gern dem Gruppenmoderator „umgeschnallt“ wird, an die Gruppe zurück zu spiegeln:

„Sie sehen diese Tatsache also als höchst störend? Nun, was sagt die Gruppe dazu? Irgendwelche Ideen, wie wir damit umgehen können/sollen/müssen?“

Auf das Brett gemünzt, bietet sich die Frage an:

„Was müsste denn auf diesem Brett geschehen…
…damit sich die Situation verbessert?
…damit das Gewünschte ermöglicht wird?
…damit wir den nächsten Schritt tun können?“

Vertrauen Sie auf die Weisheit der Gruppe! Sie hat mich, wenn ich sie respektvoll erbeten habe, noch nie enttäuscht!

Georg Breiner

In unserem Seminar-Klassiker „Bauch meets Hirn“ schenken wir auch dem Thema „Arbeit mit Gruppen“ Raum und Zeit.
Alle Infos zu diesem Seminar …